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FC-Politix

„Wir“ über „uns“, oder: Das FC-Manifest.
Eine politische Momentaufnahme.

Das Frauencafé Wien ist seit über 33 Jahren Umschlagplatz feministischer Debatten, Theorien, Praxen und Hedonismen und damit der älteste Frauen*Raum Wiens, der aktuell von einem feministischen Kollektiv selbstorganisiert gestaltet wird. Für uns – das Kollektiv – bedeutet ein feministischer Raum zu sein, durch Sprechen, Denken und Handeln eindeutig Stellung zu beziehen gegen asymmetrische Machtverhältnisse, Hierarchisierungen jeglicher Art, Diskriminierungen und Entwertungslogiken, sowie kollektives oder individuelles respektloses Verhalten. Dass diese Ansprüche unter herrschenden Verhältnissen nur schwer eingelöst werden können, ist uns bewusst- Umso wichtiger ist die Kritik und das ständige Versuchen, die als „normal“ geltenden Zustände zu verändern.

Der Versuch des FC einen möglichst diskriminierungsfreien Raum zu verwirklichen spiegelt sich in den – uneindeutigen – Einladungspolitix wider. Diese sind einerseits dadurch gekennzeichnet, existierenden Herrschaftsmechanismen und vergeschlechtlichten Privilegien entgegenzuwirken, andererseits durch das Anliegen, konstruierte und homogenisierende Identitäten an der Bruchlinie Geschlecht in Frage zu stellen.

Die durch den Anspruch auftretenden Widersprüche bilden sich darin ab, dass der Raum während der Baröffnungszeiten und Plena einer für Frauen, Lesben, Transgender Personen und Intersex Personen ist; außerhalb der Baröffnungszeiten allerdings bestimmen die jeweiligen Veranstalter_innen bzw. Projekte ihre Einladungspolitik selbst, sofern die antidiskriminatorischen Grundsätze geteilt werden.

Das Frauencafé versteht sich also als Plattform für verschiedene feministische Konzeptionen. Für uns geht es nicht darum, dass alle Menschen und Projekte im FC dieselbe Politik teilen, sondern dass eine kritische und respektvolle Auseinandersetzung über verschiedene Feminismen geführt wird. Der formelle Rahmen für die politischen Debatten und die strukturellen Entscheidungen ist das monatlich stattfindende, basisdemokratisch organisierte Plenum. Ein weiterer zentraler Ort der Auseinandersetzung im Frauencafé ist  die Vereinsbar, an der das Kneipenkollektiv ausschenkt und Politik über’n Tresen gelebt wird. Gemeinsames Tun, Debattieren, Trinken und Feiern schafft Auseinandersetzungen und Vernetzungen. Die Kneipe ist weder professionell noch profitorientiert – ohne Konsumzwang, dilettantisch und mit viel Bier.

Für uns soll es ein Raum sein, um uns zu kollektivieren, zu saufen, (uns) zu organisieren, Aktionen zu planen, Feste zu feiern, zu essen, Widerstand zu üben, im Internet zu surfen, zu streiten, zu rauchen, zu quatschen, schweigend rum zu sitzen, über die Welt zu sinnieren, hedonistisch zu sein, uns auszutauschen, Musik zu hören und zu machen, Spaß zu haben, Projekte zu starten, zu tanzen, Ideen zu entwickeln, einfach zum-Kotzen-noch-mal in Ruhe gelassen zu werden und mit feministischen Menschen ein Bier zu trinken, Sachen auszuprobieren, zu lesen, zu spielen, zu denken, aufzustehen, nach Haus zu gehen und wieder zu kommen!